Einige Tage bei den Kiebitzen, CH

Die Geschichte des Kiebitz in der Schweiz ist eine traurige und doch eine hoffnungsvolle zugleich. Zunehmend intensivierte Landwirtschaft mit mehreren Mähzyklen verunmöglicht dem Bodenbrüter (nicht nur dem Kiebitz) eine erfolgreiche Jungenaufzucht, so dass die Zahl der Kiebitze in der CH stetig zurückging. Doch es gibt Hoffnung …..

Seit 2005 werden im Wauwiler Moos den Kiebitzen geschützte Brutplätze angeboten. Dies konnte durch eine Initiative der Schweizer Vogelwarte im Rahmen der Förderung von Prioritätsarten zusammen mit den betroffenen Landwirten realisiert werden. Einerseits werden die Flächen nicht gemäht (Jungvögel ducken sich und rennen nicht weg), und andererseits wird die Brut mit einem Elektrozaun vor Fressfeinden am Boden geschützt.

Leider lassen sich damit Prädatoren aus der Luft nicht fernhalten und völlig unverständlich kam es auch zu Eierraub durch menschliche Hand. Die jährlichen Bruterfolge lassen sich in den Jahresberichten der Schweizer Vogelwarte nachlesen. Glücklicherweise wohne ich nahe dieser grössten Kiebitzkolonie der Schweiz, so dass ich die geschützten Flächen mit dem Fahrrad oft aufsuchen kann.

Die Balzflüge sind schwierig fotografisch festzuhalten, da insbesondere die Sturzflugphasen, aber auch Richtungsänderungen recht erratisch auftreten. Am erfolgversprechendsten ist es, einen entfernten Vogel zu wählen, und mit Autofokus auf „AF-C tracking“ dem Vogel im Sucher konstant zu folgen und dabei zu hoffen, dass er sich auf fototaugliche Distanz nähert. Die Verwendung der Back button – Methode hilft dabei, so dass nur in attraktiven Fluglagen der Auslöser (auf hoher Bildfrequenz ) betätigt werden muss. Erst auf den Fotografien der Übergangsphase in den Sturzflug fiel mir auf, dass sich der Kiebitz auf den Rücken dreht, den Kopf um 180° rotiert und dann „abtaucht“. Unglaublich, mir war nur von den Eulen diese hohe Beweglichkeit der Nackenwirbelsäule bekannt.

Kiebitz im Rückenflug mit korrigierter Kopfhaltung

Hat das Männchen seine Angebetete überzeugt, kommt es zur Paarung. Dieser Vorgang dauert nur paar wenige Sekunden und entzieht sich so oft der Wahrnehmung des Beobachters. Jedenfalls hatte ich Glück, dass ich das Objekt der Begierde im Sucher hatte, als das Männchen anflog. Mit 30 fps gelang es mir, den Kopulationsvorgang festzuhalten.

Das Männchen bereitet bis zu 9 Nistmulden im Boden vor und lässt das Weibchen wählen. Beim Zaunkönig ist diese Praxis auch bekannt. Aus den 3-4 Eiern schlüpfen nach ca 4 Wochen die Küken, welche Nestflüchter sind. Sie suchen selbstständig nach Futter, lassen sich aber noch gerne von der Mutter unter ihren Fittichen wärmen, kein Wunder bei den noch tiefen Apriltemperaturen. Je nach Graswuchs lassen sich die Küken aus der Bodenperspektive dann kaum ausmachen.

Nun hoffe ich für 2021 das Beste, dass möglichst viele Küken überleben werden. Angestrebt sind 0.8 -1 überlebende Küken pro Brutpaar, die notwendig sind, um den Bestand zu sichern.


Auf naturschau.ch berichtet der Fotograf Michael Trummler von seinen Ausflügen in die Natur, sei es vor der Haustüre, in Skandinavien oder im ferneren Ausland, meist mit speziellem Focus auf der Ornithologie.